Test und Technik

Kawasaki Z 1000 vs. KTM 990 Super Duke

Vergleichstest: Super Duke vs Z1000

24.07.2007 00:00

In den 70er-Jahren bauten japanische Hersteller die stärksten Streetfighter; damals nannte man sie noch Superbikes. Wer aber schmiedet heute die schärfsten Streetfight-Schwerter? Ists Kawasaki mit der Z 1000 oder KTM mit der 990er Super Duke? Ein Test von Daniel Riesen.


Woahhh...da rauchen die Hinterräder: Super Duke versus Z 1000.

Testbericht (Kurzversion:)

Konzept Z 1000
Das Rezept der Kawasaki Z 1000: freches Outfit, Normalo-Fahrwerk, Motor von der Stange, vernünftiger Preis. Die Z 1000 verkauften sich wie die Tickets für ein Rolling-Stones-Konzert. Aus den Entwicklungsbüros der anderen Japan-Firmen dringen, so raunt man,  noch heute gelegentlich Schluchzer auf den Flur.

Foto: Z 1000 gestrippt

Foto: Die ultrafein zerstäubenden Einspritzdüsen und die kleinvolumigeren Drosselklappengehäuse (von 38 auf 36 mm reduziert) mit ovalen Sekundär-Drosselklappen sorgen für eine äußerst geschmeidige Gasannahme über den gesamten Drehzahlbereich.


Dank gründlicher Überarbeitung soll die Erfolgsgeschichte weiter­gehen. Per 2007 wurde die Z 1000 optisch muskulöser. Kräftiger wurde auch der Motor. In der Spitzenleistung gingen einige PS verloren – am Hinterrad sind es jetzt noch 117 PS. Doch zwischen 2000/min und 9000/min liegt die neue Motorenversion stets vorn, drückt der 953-cm3-Reihenvierzylinder – das belegt der Dynojet-Prüfstand von MSS – teils bis zu 12 PS mehr ab als zuvor. Da erweist sich das Versprechen von mehr Durchzug zulasten der Spitzenleistung für einmal als Wahrheit, nicht als Dichtung. Klasse gemacht!


Twin-Punch gegen Vierer-Kraft
Obs genügt, den 999-cm3-Twin der Super Duke in die Schranken zu weisen? Der begeisterte schon 2005 mit leichtfüssiger Lebendigkeit und hätte an sich keiner Überarbeitung bedurft. Hingegen war eine Hygienekur Pflicht, um die gestrengen Euro-3-Richter günstig zu stimmen. Das soll sich auch verbrauchsmindernd auswirken. Der Testverbrauch lag bei zügiger Fahrt bei immer noch 7,4 l.


Ferner erbarmte man sich in Mattighofen der durchschnittlich talentierten Biker und nahm der Super Duke fahrwerkseitig etwas von ihrer Radikalität – ein Lenkungsdämpfer bleibt hingegen der «R» vorbehalten.
Also, es ist angerichtet für den Kurvenrausch im Jura, wo Kantonsgrenzen verwischen und man nach dem dritten Abbiegen keine Ahnung mehr hat, wo Norden liegt und Gott hockt.

Komfort
Die Kurvenhobel fühlen sich schon beim Aufsitzen sehr unterschiedlich an. Auf der Kawa platziert man sich hinter einem relativ schmalen, zum Fahrer gekröpften Lenker, der bauchige Tank spreizt die Beine. Die KTM erklimmt man vorerst mit etwas mehr Respekt, 850 mm Sitzhöhe ist nicht nix. Der Pilot sitzt weiter vorn, über dem Lenker (Typ gerade Lenkstange), zwischen den Beinen ein schlanker (aber doch im Vergleich zum Vormodell um 3,5 auf 18,5 l gewachsener) Tank. Der grössere Abstand Sitz–Raste ergibt einen entspannteren Kniewinkel.

Foto: Super Duke Front


Sich an die Z 1000 herantasten
Sie klingen auch ziemlich hungrig, die Streetfighter. Die KTM nagelt mit hartem Schlag, die Kawa röchelt und knurrt. Also nehmen wir gut gelaunt  die ersten Windungen und Biegungen enger Jurasträsschen in Angriff. Schon recht forsch Vorfahrer Schmid auf der Super Duke, etwas tastend der Verfolger Riesen auf der Z 1000. Letzeres war schon bei der Kawasaki-Lancierung im März so gewesen. Da zirkelt man entspannt-selbstverständlich durch den Stadtverkehr, doch kaum warten draussen die ersten schönen Kurven, ist es mit dem Vertrauen des Z-Piloten ins Vorderrad erst einmal vorbei.


Die KTM reagiert auf jeden Lenkbefehl
KTM verzichtet richtigerweise aufs Showelement «breiter Gummi». Auch  deswegen ist das Kurvenwedeln mit der Super Duke die ganz grosse Show. Trotz längerer Federwege – in ihr wohnt ein Stück Supermoto – reagiert sie sehr unmittelbar auf Lenkbefehle. Die traut man sich nun auch, in aller Deutlichkeit zu erteilen, die Nervosität um die Lenkachse ihrer Vorgängerin ist dank der Korrekturen an der Fahrwerksgeometrie weitgehend verschwunden.

Foto: Super Duke Cockpit

Foto: Z 1000 Cockpit


Die Grundabstimmung der voll einstellbaren Federelemente ist straff. Es bleibt viel Reserve für die schnelle Kurvenhatz, aber nur wenig zugunsten von mehr Komfort. Der Autor jedenfalls öffnete die Dämpfung hinten fast vollständig – zugunsten des malträtierten Hinterns– für etwas mehr Ruhe auf holprigen Abschnitten.

Foto: Super Duke Heck


Denn so begeisternd wirblig und aktiv die Super Duke durch die Landschaft brettert, das Fahren ist wegen der straffen Federelemente anstrengender als mit der Z 1000, je welliger desto mehr. Die Z ist allerdings ebenfalls keine Sänfte, vor allem, weil ihr  Sitzpolster noch dünner ist als jenes der KTM.


Power ähnlich, Feeling nicht
Leistungsmässig herrscht zwischen dem Japan-Vierzylinder und dem Austria-Twin weitgehend Gleichstand. Dennoch, in der Magengegend fährt der KTM-Triebling ganz anders, heftiger ein. Er begnügt sich nicht nur mit geschmeidiger und ultradirekter Gasannahme, er reisst die leichte Super Duke vehement vorwärts und dreht wild hoch, von beruhigenden Schwungmassen weitgehend befreit. Dagegen fühlt sich der Antrieb der Kawasaki, der mit der Modifikation für 2007 mehr Schwungmasse am Kurbeltrieb trägt, berechenbar linear an. Schub genug, einfach etwas weniger quirlig serviert als vom V2.

Getriebe
Ein Genuss ist es, das Getriebe der KTM durchzusteppen. Weich, leise, präzis, kurze Schaltwege, schlicht «1a». Etwas lauter und ein wenig mehr Kraft vom Schaltfuss fordernd geht die Schalterei auf der Kawasaki vonstatten; «1b» ist immer noch sehr gut.

Bremsen
Nur wenig gibts von den Speedvernichtern zu berichten, ganz einfach, weil die Radialbrems­anlagen beider Bikes erste Sahne sind. Das Tüpfelchen auf dem i bietet die Z 1000 mit ABS, ein Sicherheitsplus, für das sich auch ein Streetfighter-Pilot nicht schämen sollte, zumal bei einer solch bissigen Bremsanlage. Das ABS greift relativ früh ein. Ein steigendes Heck wird so fast verunmöglicht, während die KTM harte Bremsmanöver öfter auf dem Vorderrad absolviert.

Soziuskomfort?
Super Duke wie Z 1000 vermitteln dem Piloten Fahrspass im Überfluss. Hingegen wird die Freude nicht wie im Sprichwort verdoppelt, wenn sie geteilt wird: Dafür sind die Sitzgelegenheiten hinten zu klein und zu hart, und es fehlen Haltegelegenheiten. Mann nimmt die Dame des Herzens mit in die Badi, ansonsten geniesst der Pilot oder die Pilotin die Fahrt besser alleine.

Reisen in die Ferne?
Auch für Ferien­reisen sind die Streetfighter unzureichend gerüstet. Die Vorteile liegen aber bei der Z1000. Autobahn-Fahrtwind lässt sich etwas besser ertragen, das unaufgeregte Triebwerk reizt weniger zu dauernder Attacke, und eine Gepäckrolle lässt sich hinten eher festzurren dank Gepäckhaken und der seitlich tief montierten Auspuffrohre. Solches verhindern dagegen die heissen Schalldämpfer unter dem Heck der Super Duke.

Fazit
Z 1000 wie Super Duke sind Motorräder, die man haben möchte, zweifelsohne. Die Kawasaki ist eher das Motorrad für jedermann. Unter der aggressiven Schale schlummert ein ausgeglichener Charakter. Das kann man von der überarbeiteten KTM nicht behaupten. Sie ist ein formidables Sportgerät, auf kaum einem Motorrad droht dermassen die galoppierende Kurvensucht. Das scharfe Profil erfordert aber einen erfahrenen Piloten, die Sitzhöhe ein Minimum an Körpergrösse. Und man muss fleissig sparen: Selbst mit ABS ist die Kawasaki gut 2600 Franken günstiger.

Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 15/2007; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang…


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