Test und Technik

Yamaha TDM 900 A

Mit Sicherheitsreserve

21.07.2005 00:00

Eine formidable Reisemaschine und ein tüchtiges Alltagsmotorrad ist die Yamaha TDM schon lange. Ihre vielfältigen Talente werden nun ergänzt durch ein Antiblockiersystem.

Nirgends sind Antiblockiersysteme so gefragt wie bei Reisemotorrädern. Erfahrene Reisende wissen eben nur zu gut, welche Überraschungen unbekannte Strecken, wechselnde Wetterbedingungen und fremde Fahrsitten bereithalten können. Da ist auch eine etwas geringere Geschwindigkeit noch keine Garantie auf heile Knochen. Eine kleine Sicherheitsreserve in Form von ABS kann da nicht schaden. Die gibts neu auch an der Yamaha TDM 900. Aufpreis: 1300 Franken.

Info durch Induktion
Dafür erhält man ein am Motorrad nahezu unsichtbares System. Wo bei der Konkurrenz auffällige, geschlitzte Geberräder an Vorder- und Hinterrad montiert sind, fallen dem aufmerksamen Betrachter bei der TDM bloss die Anschlüsse und Leitungen zu den Sensoren auf. Die Informationen zur Drehgeschwindigkeit der Räder holen sich die Sensoren von Rotoren, die auf der Innenseite der Radnaben eingepresst sind.

In der Praxis funktioniert die Sache durchaus zur Zufriedenheit des Bremsenden. Im komfortabel abgestimmten Fahrwerk setzt es zwar leichte Bewegungen ab, wenn man voll in die Eisen langt und damit das ABS zur Arbeit zwingt. Man bleibt aber jederzeit sicher auf Kurs.

Das System löst den Bremsdruck relativ lange. Bei einer Bremsung von 100 auf 0 spürt man meist drei deutliche Lösephasen. Bei der FJR (dasselbe System mit einer etwas anderen Abstimmung) führte das in unserem grossen MSS-ABS-Vergleich zu etwas längeren Bremswegen als bei der Mehrzahl der Konkurrenten. Das kann an einer gewollt defensiven Auslegung des ABS, einer beschränkten Rechnerleistung und/oder der beschränkten Feinheit der Sensorik liegen.

Ansonsten blieb die TDM ganz die alte. Ein Antrieb der unaufgeregten Art ist der Parallel-Twin mit unregelmässiger Zündfolge. Er bietet ein hohes Anfahrdrehmoment und ein breites Leistungsband und ist, auch dank vorbildlicher Sparsamkeit, ein angenehmer Geselle.

Keine Nervosität
Die Sitzhaltung ist touristisch, entspannt, aber auch etwas passiv: Man hockt nicht über, sondern hinter dem Lenker. Gut zum Motorcharakter passt das Handling des Motorrades: Gutmütigkeit ist auch hier das richtige Wort, ohne die TDM der Trägheit bezichtigen zu wollen. Yamahas Zweizylinder-Allrounder ist keine wuslige Supermoto, sondern eine handliche, schnell Vertrauen vermittelnde Tourenmaschine.

Die Vorderbremse setzt deutliche Akzente. Sportlicher ausgelegt als der Rest des Motorrades glänzt sie mit präzisem Druckpunkt, geht indes ziemlich bissig zur Sache. Damit ist sie nicht gerade eine Anfängerbremse. Das ABS greift bei möglichen Patzern korrigierend ein.

Insgesamt ist die TDM 900 A eine runde Sache, optisch wie im übertragenen Sinn. Sie ist komfortabel, bietet hinten einen angemessenen zweiten Sitzplatz. Geringer Verbrauch und grosser Tank erlauben lange Etappen.

Einen ausführlichen Artikel zur Yamaha TDM 900 A inklusive Prüfstandsmessung lest ihr in MSS 14/2005. MSS noch nicht abonniert? Hier lang!

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