Test und Technik

Ducati Monster S2R

Die goldene Mitte

23.11.2004 00:00

Die erfolgreichste Modellfamilie im Hause Ducati hört auf den klingenden Namen «Monster». Und jetzt, zwölf Jahre nach Erscheinen der ersten Monster, präsentiert Ducati mit der S2R die goldene Mitte zwischen den Verkaufsschlagern 620 und S4R.

Wer eine Ducati erwirbt, fährt mit 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit auf einer Monster nach Hause. Keine Frage: Die Desmo-Bikes mit dem quirlig-bulligen aber gleichwohl zeitlos-genialen Design Miguel Galuzzis erfreuen sich in ganz Europa nach wie vor ungebremster Beliebtheit.

Die absoluten Renner der Monster-Familie sind in der Schweiz wie sonst wo die kleine und preislich attraktive 620er, die besonders bei Einsteigern und Frauen für Furore sorgt und das Premium-Modell S4R mit dem bärenstarken Desmoquattro-Motor des inzwischen abgesetzten 996er-Superbikes. Dazwischen schiebt Bologna jetzt die S2R.

Motor: Richtig getippt
Für die S2R tippten die Ingenieure auf den in der Schweiz bisher unbekannten 800er-V2 mit Einspritzung und Zweiventiltechnik (Desmodue). Das gutmütige Aggregat weiss beim Bummeln in der Stadt, wo für eine angemessene Laufruhe 2500 Umdrehungen erforderlich sind, zu überzeugen. Wenn es ums Kurvenräubern geht, imponiert der 800er mit seinem satten Drehmoment (7,4 mkg bei 6500 Umdrehungen) und der Leistung von nominell 77 PS bei 8250 Umdrehungen. Das reicht allemal, um noch im legalen Bereich ordentlich Spass zu haben und es ist schon einiges mehr, als die 620er zu bieten hat.

Straff aber fein
Die Fahrwerksabstimmung ist nach bewährtem Monster-Rezept sportlich gehalten. Auf welligen Strassenabschnitten kann dies schon mal in die Handgelenke gehen. Sind die Strassen allerdings so wie wir sie uns wünschen, blüht die S2R auf: Alle erdenklichen Kurvenradien sind spielerisch zu meistern, wobei es sich mit der kleinen Duc ohne Mühe und sehr zielgenau von einer Schräglage in die nächste tänzeln lässt. Schade nur, dass sich die USD-Gabel in keiner Weise einstellen lässt.

Die Bremsanlage von Brembo lässt bezüglich Dosierbarkeit und Verzögerung keine Wünsche offen. Lediglich der Druckpunkt fällt nicht so präzis aus, wie bei den Oro-Bermssätteln der S4R. Mit der Verzögerungs-Ausstattung der S2R bleibt man jedoch in allen Situationen Herr oder Frau der Lage. Einen lediglich unterstützenden Charakter hat die Hinterradbremse (245mm).

Naked-Bike im Euro-Stil
Monster-Naturen sind kaum scheu und zurückhaltend: Extravagantes Design kombiniert mit sonorem Twin-Rumoren lassen nahezu jeden Auftritt gelingen. Was so bullig und archaisch daherdonnert verwandelt sich – sobald man den Fokus aufs Detail rückt – in eine Augenweide für Design-Liebhaber.

Die Ducati Monster S2R ist ein preiswertes (Fr. 13'405.- inkl. MwSt. und Nebenkosten) aber dennoch exklusives Motorrad, dessen Stärke in seinem breiten Einsatzspektrum liegt. Mit der gelungenen Kombination aus druckvollem aber gütigem Motor, sportlichem Fahrwerk, bestechendem Design sowie konkurrenzfähigem Preis wird sich die S2R im Naked-Bike-Hype behaupten können.

Die S2R wird es übrigens auch in der Dark-Version geben. Nochmals 1000 Franken günstiger, dafür aber ohne Kopfschale und Heckabdeckung sowie exklusivem Lenker von Magura.

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